Mit Zukunft in die Gegenwart

Die Evolution der Baubranche

Wilfried Rathmann lehnt sich zurück. Die spröden Hände auf dem massiven Eichenholzschreibtisch verraten auf den ersten Blick: Der Mann hat etwas geleistet.
Über 40 Jahre führt der gelernte Maurer bereits sein Bauunternehmen, das mittlerweile knapp 50 Mitarbeiter zählt. Längst sind die beiden Söhne mit eingestiegen und bereiten die mittelständische Firma auf den baldigen Ruhestand des Vaters vor.

Trotzdem ist es für Rathmann eine Selbstverständlichkeit, weiterhin jeden Tag an seinem Schreibtisch zu sitzen. „Unsere Branche steckt mitten in einem gewaltigen Wandel, den es während meiner gesamten Laufbahn so noch nicht gegeben hat“, erklärt er. „Die Veränderung unseres Arbeitsalltages und das Angebot an neuen Dienstleistungen, sind zugleich Herausforderungen als auch Chancen, auf die wir uns einlassen müssen. Hilti Flottenmanagement ist ein gutes Beispiel.

Am Anfang haben wir nur unsere Akku-Geräte in Flotte genommen und die Serviceleistung Flottenmanagement lediglich als nette Beigabe zum Produkt gesehen. Bis wir bemerkt haben, dass wir eigentlich unseren gesamten Gerätepark umstellen und von einem Partner managen lassen können. Und das hat funktioniert: seitdem wir eine komplette Flotte haben, können wir uns besser auf unser Kerngeschäft konzentrieren, und unsere Mitarbeiter sind produktiver und motivierter.“

Die Branche boomt

Dass die Bauindustrie derzeit ihren Weg in ein neues Zeitalter findet, ist kein Geheimnis. Die Voraussetzungen dafür könnten besser nicht sein. Denn die Branche boomt! Bereits zum Jahresanfang konnten viele europäische Länder Rekord-Auftragsbestände verzeichnen. Selbst dem vermeintlichen Platzhirsch – der verarbeitenden Industrie – läuft das Baugewerbe derzeit den Rang ab. Und auch für die kommenden Jahre stehen die Weichen auf Wachstum.

„Wir sind bis in den Herbst nächsten Jahres hinein de facto ausgebucht“, beschreibt Wilfried Rathmann die Auftragslage seines Unternehmens.

Einen grossen Anteil am Bauboom trägt vor allem die anhaltende Urbanisierung. In den Ballungsgebieten mangelt es seit Jahren an Wohnraum. Dementsprechend stark präsentiert sich der Wirtschaftszweig im Wohnungsbau. Und auch die Investitionen öffentlicher Auftraggeber in die Infrastruktur der Städte ist ein wichtiger Punkt.

Der demographische Wandel wird langfristig dafür sorgen, dass zunehmend auch in Bauten wie Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime investiert wird. In etwa 30 Jahren leben voraussichtlich zwei Milliarden Menschen mehr als heute in städtischen Ballungszentren. Die baulichen Voraussetzungen dafür werden jetzt geschaffen.

Geschäftslage nach Wirtschaftszweigen

Quelle: DIHK – Konjunkturumfrage 2017
Bau 2007
Industrie 2007
Bau 2013
Industrie 2013
Bau 2017
Industrie 2017

Heute muss man viel investieren, um gute Leute für den Bau zu bekommen

Rathmann hat mit seinem Unternehmen bereits alles erlebt. Gute Zeiten und nicht ganz so gute Zeiten. Auftragsflauten, Rezession und Blasen, die von heute auf morgen geplatzt sind. So „rosig“ wie jetzt war die Auftragslage allerdings noch nie, meint er. Und dennoch ist nicht alles „Gold, was glänzt“.

„Viele Projekte können wir schlichtweg nicht annehmen, weil wir nicht die nötigen Kapazitäten haben, um sie zu stemmen“, erklärt der Unternehmer. „Kapazitäten“, darunter versteht Rathmann fähige Mitarbeiter, die den Anforderungen auf dem Bau gerecht werden. Denn auch hier nimmt der demographische Wandel eine entscheidende Rolle ein: viele von Rathmanns älteren Kollegen sind bereits in Rente, während die gesunkene Geburtenrate den Fachkräftemangel befeuert. Was es braucht, sind fähige Praktiker, die dem wachsenden Anspruch der Branche gerecht werden.

„Vor 20 Jahren hatten wir keinerlei Probleme damit, Lehrlinge auszubilden. Heute muss man viel investieren, um gute Leute für den Bau zu bekommen“, meint Rathmann.

Dass der Geschäftszweig ein handgemachtes Problem mit dem Recruiting hat, ist offensichtlich. Über einen langen Zeitraum hinweg hat man es verpasst, die Baubranche als attraktiven und zukunftsweisenden Arbeitsplatz für junge Leute zu forcieren. Klassische Lehrberufe haben im Vergleich zum Studium den Kürzeren gezogen. Schlüsselpositionen auf dem Bau, wie etwa Poliere, Meister oder Techniker können deshalb oft nur schwer besetzt werden.

Am wichtigsten ist und bleibt der Handwerker selbst

Auf dem Bau ist jedes Projekt anders und Standardisierungen schwierig umzusetzen. Im Gegensatz zur Industrie liegt die Lösung hier nicht in einer weiteren, automatisierten Produktionsstrasse. Am wichtigsten ist und bleibt der Handwerker selbst. Aktives Personalmanagement, bei dem es darum geht, Arbeitsplätze attraktiv zu gestalten, Talente anzuziehen und auch zu halten, sind Grundvoraussetzungen für gutes Personal.

„Meine Söhne haben neue Konzepte für mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter in unserem Unternehmen eingeführt“, erzählt Rathmann. „Auch hier hat uns Hilti Flottenmanagement unterstützt. Seit wir dann den kompletten Gerätepark auf Flotte umgestellt haben, konnten wir die Service-Vorteile voll realisieren.“

Mehr Verantwortung im Unternehmen fördert fachübergreifende Kompetenzen sowie die Persönlichkeit und führt zu einem motivierteren Arbeiten. Damit wird auch die Produktivität im Unternehmen gesteigert. Eine Win-win-Situation. Job Enrichment und Empowerment fördern in der Personalentwicklung den Ausbau dieser Fähigkeiten.

Job Enrichment, Job Enlargement, Job Rotation und Empowerment sind in der Personalentwicklung Strategien, die sowohl die Persönlichkeit des Arbeitnehmers fördern als auch die Produktivität im Unternehmen steigern. Also eine Arbeitsstrukturierung von der sowohl Rathmann als auch seine Mitarbeiter profitieren.

Job Enrichment

Unter Job Enrichment versteht man den Ausbau von Verantwortlichkeiten. Rathmanns Mitarbeiter treffen zum Beispiel selbstständig Entscheidungen bei der Gerätereparatur. Das steigert die Motivation und erhöht Kompetenzen.

Job Enlargement

Job Enlargement bedeutet eine Ausweitung der eigenen Tätigkeiten. Durch die Übernahme von Querschnittsaufgaben sind Rathmanns Mitarbeiter flexibler. Sie gestalten ihre Position abwechslungsreich und übernehmen neue, interessante Aufgaben.

Job Rotation

Bei der Job Rotation setzt Rathmann seine Mitarbeiter, wo es möglich ist, in verschiedenen Positionen ein und wechselt die Aufgabenbereiche. Damit eignen sie sich neue Fähigkeiten an und arbeiten, dank regelmässiger Herausforderungen, motivierter.

Empowerment

Wenn es auf dem Bau zu Problemen kommt, bezieht Rathmann seine Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungen mit ein. Empowerment sorgt für mehr Verantwortung und steigert das Selbstwertgefühl. So ist bspw. jeder Anwender selbst für seine individualisierten Geräte zuständig und kann eigenständig Reparatur und Wartung veranlassen.

Eigenverantwortliche Mitarbeiter schaffen ein attraktives Arbeitsumfeld für sich selbst und andere.
Eine echte Chance, denn die Perspektiven, als Angestellter auf dem Bau etwas zu erreichen, sind vielfältig. Das Arbeitsumfeld ist komplex und wird aufgrund der digitalen Transformation in den nächsten Jahren noch vielschichtiger. Fähige und motivierte Mitarbeiter werden daher noch wichtiger als heute schon.

Die Antwort lautet: Prozessoptimierung

Nicht erst seit heute hat das Baugewerbe mit stagnierender Produktivität zu kämpfen.

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen hinkt die Baukonjunktur weltweit hinterher.
Durch das nicht genutzte Potential entgehen der Wirtschaft mehrere Milliarden Euro. In Sachen Produktivität konnte man in den letzten 20 Jahren lediglich 1 Prozent Wachstum verzeichnen, während die Weltwirtschaft um 2,8 und die verarbeitende Industrie um durchschnittlich 3,6 Prozent angestiegen ist. Wäre die Baubranche ähnlich effektiv, könnte laut einer McKinsey-Studie, bei gleichem Ressourceneinsatz etwa die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Infrastruktur damit zusätzlich gedeckt werden.

 

Quelle: Expert interviews; IHS Global Insight (Belgium, France, Germany, Italy, Spain, United Kingdom, United States); World Input-Output Database

 

Kleine und mittlere Betriebe sind von den Einbussen am stärksten betroffen. Dabei wird gerade diesen Unternehmen das grösste Potential nachgesagt. Woran liegt das? Sicherlich nicht nur am propagierten Fachkräftemangel. Die Antwort lautet: Prozessoptimierung. Was in der Industrie gang und gäbe ist, kommt im Baugewerbe nur schwer ins Rollen.

Wachstumsprognose

Quelle: Studie Bauwirtschaft 2020
Wachstumsprognose 2011: 289 Mrd €
Wachstumsprognose 2015: 294 Mrd €
Wachstumsprognose 2020: 316 Mrd €

So optimiert man vor allem bei direkten Kosten wie der Materialbeschaffung, lässt innerbetriebliche Prozesse dabei aber völlig ausser Acht. Die Vernetzung der eigenen Mitarbeiter und der unterschiedlichen Gewerke stehen an erster Stelle. Automatisierung und Standardisierung schaffen Unabhängigkeit. Neue Technologien gehören genau wie Hammer und Meissel in die Werkzeugkiste der Gegenwart.

 

Wir dürfen keine Angst vor neuen Technologien auf dem Bau haben

Intelligente Technologien erleichtern unseren Alltag und werden in der Zukunft eine noch wichtigere Rolle in der Bauindustrie spielen. Nicht nur für Digital Natives, also Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, ist es selbstverständlich, über Mobile Apps auch auf der Baustelle vernetzt zu kommunizieren oder mittels digital unterstützter Werkzeuge zu arbeiten.

Building Information Modeling, kurz BIM, gehört als optimierte Planungsmethode schon lange zum Geschäft, und auch die Robotisierung ist in der Branche auf dem Vormarsch. Schliesslich ist das Baugewerk ein innovatives Umfeld, innerhalb dessen sich viele spannende Möglichkeiten ergeben. Die Digitalisierung der Bauchbranche spielt sich nicht in der Zukunft ab, sondern hier und jetzt in der Realität.

“Bereits vor einiger Zeit wurde das weltweit erste Gebäude komplett am 3D Drucker erstellt“, erzählt Rathmann mit einem Augenzwinkern und rückt die Lehne seines Bürostuhls zurecht.

„Meine Söhne haben heute die Möglichkeit, bei der Prozessoptimierung auf Serviceleistungen wie Hilti Flottenmanagement zu setzen. Sie verstehen es, den Mitarbeitern mehr Verantwortung zukommen zu lassen. Und sie sind in der Lage, vernetzt, mit digitalen Geräten zu arbeiten. Ich denke, diese Faktoren im Zusammenspiel sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft auf dem Bau.“