Manche mögen es heiss

Der Umgang der Natur mit dem Feuer

 

Seine grosse Liebe gehört dem Feuer. Der Schwarze Kiefernprachtkäfer hat gelernt von Feuerkatastrophen zu profitieren. Der acht bis elf Millimeter grosse, matt schwarz schimmernde Käfer lebt auch in Mitteleuropa und verlangt nach Waldbränden. Denn ohne Rauch und Feuer wäre seine Art längst ausgestorben. So aber nutzt das Weibchen jedes Jahr aufs Neue einen der rund 55.000 jährlich in Europa auflodernden Waldbrände, um an den etwas „kühleren“ Stellen des zum Teil immer noch 400 Grad heissen Waldbodens verkohltes Holz zu suchen und dort seine Eier abzulegen. Hier können sie sich ungestört entwickeln – während sich die Fressfeinde erst nach und nach wieder in den langsam aufkeimenden Wald trauen.

Das Ziel der Biologen und Entwicklungsingenieure: Aus den Fähigkeiten dieser Insekten zu lernen und ähnlich winzige, aber ebenso empfindliche Brandmelder zu entwickeln.

Nicht nur diese Eigenschaft der kleinen Pyrophyten (= Feuerliebhaber) ist einzigartig. Mindestens ebenso besonders ist ihre Fähigkeit, das Feuer aus über zehn Kilometern Entfernung zu orten. Der Schwarze Kiefernprachtkäfer nutzt dafür einen körpereigenen Infrarotsensor. Dieses Sinnesorgan besteht aus winzigen Kügelchen. Angefüllt sind sie mit einer Flüssigkeit, die sich bei Hitze etwas ausdehnt. Ähnlich wie bei einem menschlichen Ohr, das auf Schallwellen reagiert, registrieren Sinneszellen diese Bewegung. Der Käfer „hört“ das Feuer also. Er und vor allem sein „Kollege“ von der Südhalbkugel, der australische Feuerkäfer, der einen Brand sogar 60 Kilometer weit in nahezu Echtzeit detektiert, sind deshalb Gegenstand intensiver bionischer Forschungen. Das Ziel der Biologen und Entwicklungsingenieure: Aus den Fähigkeiten dieser Insekten zu lernen und ähnlich winzige, aber ebenso empfindliche Brandmelder zu entwickeln. Diese sollen dann als Hitzedetektoren Produktionsstrassen, Industrieanlagen, Fahrzeuge und Bauarbeiten auf mögliche Brandentwicklungen hin überwachen.

Sinn fürs Brenzlige

Während weltweit rund 40 Insektenarten vom Feuer leben, haben andere Gattungen eine Strategie entwickelt, das Feuer zumindest zu überleben. Eine der zeitgeschichtlich ältesten ist der Eukalyptusbaum. Er überlebt dank seiner Oberfläche aus Borke und mentholhaltigen Blättern. Sie lenkt das Feuer weg vom lebenserhaltenden Inneren der Pflanze. „Natürlichen Funktionserhalt“ nennen das Biologen. Die mit Abstand jüngste Gattung, bei der Feuer zum Leben gehört, ist der Mensch. Er hat erst vor wenigen Tausend Jahren damit begonnen, sich den intelligenten Umgang mit dem Feuer anzueignen: Wir setzen dabei nicht auf die Evolution, sondern auf Wissen und Technik.

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